pixelgewitter text statt wort: casual ist nicht schlimm
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pixelgewitter text statt wort: casual ist nicht schlimm

Pixelgewitter

Die Casual Games – eine Kategorie von Spielen, die vor allem Gamer aus dem „Hardcore“-Bereich immer wieder zu heißen Diskussionen anregt. Die „Breite Masse“ macht Spiele kaputt, Games bestehen nur noch aus stundenlangen Tutorials und früher war eh alles besser. Doch ich sage ganz deutlich: Danke Casual Games, ihr seid genau so wichtig wie Hardcore-Games.

 

Es ist noch nicht lange her, da wurde ich für mein Hobby „Videospiele“ noch ausgelacht. Der typische Computerspieler war in den Augen vieler Leute sozial inkompetent, hat mindestens zehn Kilo Übergewicht und dazu spielt er den ganzen Tag nichts anderes außer Killerspiele. So ist es zwar noch nie gewesen, durch mangelnde Kompetenz der Medien und der Gesellschaft hat sich dieses Bild aber gefestigt. Heute sieht das ganze anders aus: der Zugang zu Videospielen ist ein ganz anderer geworden – dank „Casual Games“.

 

Videospiele als Klolektüre für die breite Masse

 

Sicherlich hat ein Hardcore-Gamer eine andere Erwartung an ein Spiel als ein Gelegenheitsspieler, dennoch übernehmen Casual Games eine wichtige Funktion, und zwar Aufklärung. Vor knapp 10 Jahren war es schwer, sich „mal eben“ in die komplexe Welt der Videospiele einzuarbeiten. Heute kommt zum Beispiel jeder Smartphone-Besitzer mit Spielen in Kontakt: seien es Quiz-, Mal- oder Puzzlespiele, nahezu jeder hat sich schon einmal dabei erwischt, wie er länger auf dem Klo saß als er musste – bedingt durch ein Videospiel. Was die „Hardcoregamer“ mit dem Gameboy erlebt haben, lässt sich jetzt ganz einfach für jedermann mit dem Mobiltelefon nachvollziehen. Natürlich sind solche „Spiele für Jedermann“ etwas anderes als Hardcore-Titel. Die Spielprinzipien sind oft vereinfacht und die Spiele sollen eher die Zeit des Spielers vertreiben anstatt ihn zu fordern.

 

Der Universalaufreger „Tutorials“

 

Natürlich springen auch viele große Titel auf diesen Zug auf und versuchen, eine breitere Masse zu erreichen, was dann dazu führt, dass einige „geliebte“ Spielreihen aus der Kindheit sich heute anders anfühlen. Während man auf dem NES einfach in die „Welt von The Legend of Zelda“ geworfen wurde und sich auf eigene Faust die Spielmechaniken beigebracht hat, beginnt „Skyward Sword“ auf der Wii mit über einer Stunde Tutorial und Einführung. Das nervt den erfahrenen Spieler schnell, immerhin kennt er die Abläufe eines Zelda-Spiels schon seit über 20 Jahren.

Nur genau diese „Selbstverständlichkeit“ kann nicht jeder Spieler direkt nachvoillziehen – und so ermöglicht eine „vercasualisierung“ einen besseren Zugang in eine Spielereihe, auf eine Konsole oder in ein Fan-Universum. Nach einer Anlaufzeit durch das Tutorial in einem neuen Spiel ist jeder Spieler auf dem selben Wissensstand, wie er danach vorgeht mit seiner Spielerfahrung ist ihm überlassen. Und das ist doch etwas positives.

 

Früher haben Spiele mich noch gefordert!“

 

Woher das Trugbild kommt, Spiele seien heutzutage sehr viel einfacher als in der „guten, alten Zeit“, ist teilweise schwer nachzuvollziehen. Wenn ich ein Spiel wirklich „durchziehen“ will, kostet mich das nicht nur vielen Stunden meiner Zeit, sondern auch eine Menge nerven. Als Hardcore-Gamer sollte man die Herausforderung nämlich darin suchen, ein Spiel auf der höchsten Schwierigkeitsstufe abzuschließen und alle Achievements oder Trophäen freizuschalten – das wird aber viel zu selten gemacht in der Community. Stattdessen höre ich immer wieder, dass Spiele viel zu einfach seien und auch viel zu kurze Storys beinhalten. Selbstverständlich ist ein Spiel schnell durchgespielt, wenn ich es nur auf „Easy“ oder „Normal“ durchspiele. Anstatt selber den Schwierigkeitsgrad an den eigenen Spielstil anzupassen, wird auf die „Casuals“ geschimpft, denn nur wegen denen ist alles so einfach. Füher, als es das alles noch nicht gab, da haben Spiele noch gefordert. Das ist aber auch nicht richtig. Schaut man sich heute noch einmal – und zwar wirklich ehrlich – die Perlen seiner Jugend an, merkt man schnell, dass diese Spiele meist den selben Umfang haben wie die Spiele heute. In seiner Kindheit hat man oft nur länger gebraucht, um diese Spiele zu bewältigen. Zum Beispiel hab ich „damals“ für Secret of Mana fast drei Monate gebraucht, inzwischen dauert es nur einen Sonntagnachmittag, bis der Manadrache besieht wurde..

Heute haben wir den Vorteil, dass es einen anpassbaren Schwierigkeitsgrad gibt. So bleiben Spiele nicht mehr nur den Spielern mit großer Vorerfahrung vorbehalten, sondern jeder kann sich ein Spielerlebnis maß schneidern. Wovon die Community nur profitieren kann, denn umso mehr Leute spielen, desto mehr Spiele werden produziert. Wer seine Möglichkeiten der Herausforderung nicht ausnutzt, ist selber schuld.

 

Casual ist wichtig für Hardcore-Games

 

Das ganze „Casual/Hardcore“-Thema ist eine Kiste, mit der man sich eigentlich nur unbeliebt machen kann. Der Gamer von Heute ist ein Gewohnheitstier – und wahrscheinlich werden die letzten Absätze jetzt auch keine festgefahrenen Meinungen aufbrechen. Fakt ist aber: wenn ich heute jemanden erzähle, dass ich tierisch viel Geld für eine Spielkonsole ausgegeben habe, kann er das irgendwie nachvollziehen. Vielleicht kennt er nicht das System und die Spiele, von denen ich rede, aber er kann das „Phänomen“ Videospiel nachvollziehen. Das wäre vor Casual-Games undenkbar gewesen. Durch die Annäherung an den Mainstream haben es Spiele geschafft, auf der selben Stufe der Unterhaltung wie Kinofilme oder Musik zu landen. Gaming ist dank „Casual“ cool geworden – und genau das haben wir uns doch mit 14 immer gewünscht, oder?