Jeb Bush: Chancen bei US Wahlen?
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Jeb Bush: Chancen bei US Wahlen?

US-Präsidentschaftskandidat Jeb Bush hat einen klaren Vorteil gegenüber seiner Konkurrenz: Vor wenigen Tagen hat er seine Steuerunterlagen aus 33 Jahren veröffentlicht. Damit erhöht er den Druck auf seine Gegner, weil das Privatvermögen der Kandidaten immer ein großes Thema im Wahlkampf ist.
Jan Luhrenberg sprach mit Professor Thomas Jäger, Lehrstuhlinhaber für Internationale Politik und Außenpolitik an der Universität zu Köln, über Bush’s Wahlkampf und seine Chancen.

 

Die Chancen von Jeb Bush bei den Vorwahlen

Gov_Jeb_BushDie amerikanische Politik ist sehr auf Personen ausgerichtete. Das sind nicht wie bei uns Fraktionen, sondern man muss sich amerikanische Politiker wie Unternehmen vorstellen. Und das „Unternehmen Bush“ hat ja schon zwei Präsidenten hervorgebracht und insofern kann er auf eine ganze Reihe Unterstützer zurückgreifen. Bei ihm ist es nicht so wie bei vielen anderen, die erst ihre Kandidatur verkünden und dann beweisen müssen, dass sie im öffentlichen Raum Zustimmung gewinnen können und dann die Unterstützung von einer Partei bekommen. Er hat das umgedreht gemacht: Er hat zuerst die wichtigen Namen angesprochen, hat sich zuerst den Kreis seiner Unterstützer zusammengetragen und versucht jetzt noch die anderen davon zu überzeugen, dass er die Vorwahlen gewinnt. Das sieht im Moment schlecht aus, aber durch ist er dabei noch lange nicht.

 

 

Der Name „Bush“ als Vorteil oder Nachteil?

Der Name „Bush“ ist sozusagen Fluch und Segen für ihn zugleich. Weil bei all denjenigen, die ihre Loyalität den beiden vorigen Präsidenten erklärt und auch gehalten haben, ist er der, der diese Loyalität erbt. Und bei all denjenigen, die in Feindschaften oder Gegnerschaft standen, erbt er das auch. Das ist eine schwierige Sache. Aber er hat – was für Wahlen wichtig ist – einen hohen Bekanntheitsgrad. Also er muss nicht wie Ben Carson oder Paul Cruz etwa noch seinen Namen bekannt machen. Sondern Bush – das kennt jeder. Wie seine mögliche Gegenkandidatin Clinton trägt er ein Familienrucksack mit sich, in dem jede Menge Vorteile, aber auch Nachteile drin sind.

 

 

 

Top oder Flop: Hat sich Bush als Floridas Gouverneur bewährt?

Zum einen ist es so, dass viele Präsidenten vorher Gouverneur gewesen sind. Dass was wir bei der letzten Wahl von Barack Obama gesehen haben, dass jemand aus dem Senat gewinnt, kommt nicht so häufig vor. Südstaaten Gouverneure, dazu gehört er in Florida – das ist eigentlich ein gutes Sprungbrett in die Präsidentschaft. Zudem ist Florida ein wichtiger Staat, auch zahlenmäßig was die Wahlmännerstimmen angeht. Es ist eine interessante Auseinandersetzung, die wir hier beobachten können: Denn einer der beiden anderen aussichtsreichen Kandidaten, Marco Rubio, ist einer der beiden Senatoren von Florida. Deshalb wird man sehen, wer von den beiden Florida gewinnt. Für einen von beiden endet wahrscheinlich die Karriere in den Vorwahlen, zumindest für diesen Wahlkampf. In seiner Zeit aus Florida ist bisher jedenfalls nichts hervorgegangen, was ihm die Wahlchancen verderben würde. Auch da hat er eine Politik betrieben, die freihändlerisch und deregulierend ist aber in Sozialprogrammen wie sein Bruder eher dem mitfühlendem Konservativismus folgt.

 

 

 

Jeb Bush vs. Hillary Clinton – wer gewinnt?

Momentan werden alle, die bei den Republikanern vorne gesehen werden, getestet. Und momentan gewinnt Hillary Clinton fast alle Duelle. Mal mit nur einem knappen Vorsprung, mal mit einem kräftigen Vorsprung. Also der Vorteil liegt momentan sicher auf Seiten der Demokraten. Aber es ist noch viel zu früh, hier heraus irgendetwas ableiten zu wollen. Das wird noch eine ganze Reihe an Auseinandersetzungen mit sich bringen und am Ende wird man auch sehen müssen, dass dieser Wahlkampf unendlich teuer wird. Der finanzielle Vorteil liegt momentan deutlich auf Seiten der Republikaner.

 

 

 

Das Interview mit Professor Jäger von der Universität zu Köln führte Jan Luhrenberg.