henry rollins in köln
 [ zu hause ]

henry rollins in köln

Am Montagabend war Henry Rollins zu Gast im Kölner Gloria Theater. Die Spoken Word Veranstaltung stand, wie die gesamte Tournee unter dem Motto „The Long March“. Wer Rollins kennt, weiß wie wörtlich der Titel zu nehmen ist.
Los ging es pünktlich um acht Uhr, Schluss war um viertel vor elf. In dieser Zeit gab es weder eine Pause, noch sonst Zeit um zu verschnaufen. Der Protagonist auf der Bühne mag das gewohnt sein, als Publikum muss man eher selten eine solche Aufmerksamkeitsspanne und das dazugehörige Sitzfleisch (nicht wenige hatten übrigens keinen Sitzplatz mehr bekommen und standen die hundert-fünfundsechzig Minuten) mitbringen.

Allerdings gibt es nur wenige Künstler, die in diesem Metier derart fesseln können. Abgesehen vom Mikrofon braucht Rollins keine Hilfsmittel, um seine Geschichten an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen. Okay, es gab die Ausnahme, dass die lange Liste der Gegenstände die in Indien nicht an Bord eines Flugzeugs mitgenommen werden dürfen, von einem Zettel abgelesen wurde. Ansonsten hatte der Mann nicht Mal ein Glas Wasser auf der Bühne. Dieser Arbeitsethos machte natürlich eine Menge des Charmes des Programms aus. Wer braucht schon Requisiten oder Zeit zum durchatmen, wenn er solche Anekdoten hat. Hier liegt wahrscheinlich der Unterschied zu anderen Alleinunterhaltern: Henry Rollins ist in seinen inzwischen fünfzig Lebensjahren sehr weit herumgekommen.

Egal ob es Anfang der Achtziger als Sänger von BLACK FLAG innerhalb der Hardcoreszene, als Moderator für National Geographic oder als USO Botschafter ist. Natürlich thematisiert er seine zwanghaftes ‚Unterwegs sein‘ gerne und ausführlich, und hat aus jeder Ecke der Welt wissenswerte Kuriositäten gesammelt. Am Montagabend reichte die Bandbreite von dem Humor nordkoreanischer Reiseleiter, über den Genuss von Rattenleber in Indien, bis hin zu der Literaturauswahl in amerikanischen Supermärkten. Was natürlich ein stark zusammengefasster Überblick des angeschnittenen Themenkomplex ist.

Bemerkenswert ist besonders die Fähigkeit von Rollins, den negativen Aspekten dieser Welt eine Pointe abzuschwatzen, ohne dabei bitter zu klingen. Ganz im Gegenteil, am Ende lief es alles auf ein positives Bild dieser Welt und der Menschen hinaus. Und das wurde vom Publikum mit der verdienten Begeisterung goutiert.

Lars Koch