Genepool feiern Record Release in Köln
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Genepool feiern Record Release in Köln

An einem eher ungemütlichen Freitagabend gegen neun Uhr, finde ich mich im sympathischen BLUE SHELL in der Kölner Innenstadt wieder. Das Ganze hat einen guten Grund, GENEPOOL feiern heute die Veröffentlichung ihres dritten – und meiner Meinung nach bisher besten – Albums „Lauf! Lauf!“. Obwohl ich nicht auf der Gästeliste stehe, zumindest nicht auf der vom Türsteher, denn eigentlich stehe ich ja auf der Gästeliste, kann ich ohne Probleme oder zu zahlen den Ort des Geschehens betreten (An dieser Stelle nochmal vielen Dank! Normalerweise laufen solche Situationen nicht so unkompliziert und ohne anstrengende Diskussionen ab. Aber im BLUE SHELL arbeiten ausschließlich nette Menschen!).

Dafür dass es gleich losgehen soll, ist es noch erschreckend leer. Als die ELECTRONIC BEATNIKS die Bühne betreten hat sich dass auch noch nicht wesentlich geändert. Stören tut es die zwei Musiker nicht. Musikalisch ist das Duo schwer zu beschreiben, während Beats und Bassline aus der Konserve kommt – in dem Fall ein schmuckloser Laptop, auf einem ebensolchen Tisch platziert – sorgt der Gitarrist unter Zuhilfenahme von reichlich Effektierung und Verzerrung für einen Soundteppich, auf dem sich der der Sänger mit seiner, ebenfalls durch ein Effektgerät gejagten, Stimme austoben kann. Gelegentlich wird das Ganze noch mit einer Prise aus dem Synthesizer verfeinert.

Am Anfang schwankt das Gesamtbild noch zwischen monoton und hypnotisch, und wird daher nur mit obligatorisch höflichem Applaus bedacht. Im Laufe des Sets wird die Sache aber stetig unberechenbarer, was teilweise auch an den Showeinlagen des Sängers liegt. Während der Gitarrist seinen Job auf eine eher stoische Art und Weise erledigt, sorgt sein Partner beim inzwischen reichlich vertretenem Publikum, für die gewünschte Unterhaltung. Ob es an Drogen oder Entertainer-Genen im Blut liegt, möchte ich nicht entscheiden. In jedem Fall fordert das Publikum nach über dreißig Minuten noch eine Zugabe. Die Wahl fällt auf „Up Front“ von den WIPERS, nicht nur aus diesem Grund bin ich begeistert und werde den Namen ELECTRONIC BEATNIKS auf dem Schirm behalten.

Nach einem kurzen Umbau erscheinen GENEPOOL auf der Bühne. Da sich die Band neuerdings auch live zwei Schlagzeuger gönnt, hat man es mit insgesamt sechs Musikern zu tun. Die eh schon überschaubare Größe der Bühne im BLUE SHELL wirkt so noch wesentlich kleiner. Okay, zum Teil liegt das auch an der riesigen Afroperücke mit der Sänger Ian Spehr während den ersten paar Stücken sein Haupt schmückt. Die Frage die sich wohl die meisten Besucher vor dem Konzert gestellt haben war, schafft der Sänger es  aus dem Schatten seines Vorgängers Jack Letten zu treten? Auf Platte hatte der ehemalige MINK STOLE Frontmann kein Problem damit, aber wie sieht es auf den Brettern die die Welt bedeuten aus? Ehrlich gesagt stelle ich schnell fest, dass ich auf solche Vergleiche keine Lust habe. Ian macht seine Sache mehr als nur Gut und seine Stimme passt auch bei älteren Stücken hervorragend zum Gesamtsound der Band.

Apropos Sound, der ist bei GENEPOOL ein weiteres Mal großes Kino. Es ist schon von Vorteil wenn zwei der Bandmitglieder auf die Namen Guido Lucas und Thilo Schenk hören. Nicht nur für die Ohren sondern auch optisch begeisternd ist das Zusammenspiel der zwei Drummer Jens und Spiro, quasi parallele Tightness Galore! Da ist fast schon Schade wenn GENEPOOL ihre geliebte Nebelmaschine anwerfen und man die beiden nicht mal mehr aus drei Metern Abstand erkennen kann.  Ein weiterer Höhepunkt sind die zwei Backgroundsängerinnen, die der Band für ein paar Stücke ihre Stimmen leihen, und damit Bühne und Klangbild restlos ausfüllen.

Fazit: Das Publikum hat Spaß und kommt auf seine Kosten, genauso wie die Band selbst. An dieser Stelle kann ich nur noch einmal auf das großartige neue Album der Band hinweisen, das Ding heißt „Lauf! Lauf!“ und ist seinen Kaufpreis wert. Gleiches gilt auch für die beiden Vorgänger, aber das muss ich wohl niemandem mehr erzählen.

– Autor: Lars Koch –